Es knallt! Geräuschangst verstehen

Viele Hundehalter kennen das: Das plötzliche Donnern eines herannahenden Gewitters, das laute Knallen einer zugeschlagenen Tür, ein Silvesterböller. Viele Hunde erschrecken nicht nur vor plötzlichen Geräuschen, sie haben Stress und geraten allzu oft in Panik. Die Ursache, warum der Hund in dieser Situation Stress und Angst hat ist klar: Es war ein lauter Knall. Trotzdem können die Ursachen durchaus vielfältig sein. Denn auch die Genetik, die Sozialisation, stattgehabte traumatische Erfahrungen, die Lebensbedingungen des Hundes oder mögliche Erkrankungen können Ursachen für Angst und Stress beim Hund sein. Auch wenn der aktuelle Auslöser vielleicht „nur“ ein lauter Knall war. So haben Hunde zum Beispiel im ersten Lebensjahr kaum Probleme mit den Knallgeräuschen von Feuerwerkskörpern. Erst ab dem zweiten Jahr werden mögliche Phobien offenkundig. Dazu kommt, dass viele Hunde in der heutigen Zeit mit ihren Lebensbedingungen überfordert sind. So zum Beispiel wenn Hunde vom Landleben in Südeuropa in deutsche Großstädte importiert werden. Auch mangelnde Beschäftigung oder instabile soziale Beziehungen können Stress und Ängste fördern. Jede Erkrankung kann auch psychische Folgen haben. Insbesondere chronische Schmerzen führen zu erhöhter Reizbarkeit, verminderte Stressresistenz und letztlich zu Angst. Oftmals wird den Hundehaltern suggeriert, dass diese selbst an den Angstzuständen ihres Hundes schuld seien. In der Regel ist es aber so, dass die Hundebesitzer mit den Angststörungen ihres Hundes schlicht überfordert sind. Auch das führt zu Stress – diesmal beim Hundehalter. Je mehr Stress der Hundehalter hat, je mehr Stress hat auch der Hund. Und dies wirkt sich nachteilig auf beide aus. Ein klassisches Kommunikationsproblem zwischen Mensch und Hund ist es, wenn der Hundehalter seinen Hund bei Angstzuständen tröstet. Dies führt im schlimmsten Fall zu einer Verstärkung der Angst. Besser ist es, dem Hund Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln und durch eine starke Persönlichkeit zu überzeugen. Ein unsicherer und ängstlicher Hund wird oft als widersetzlich und ungehorsam angesehen – und dafür auch noch gemaßregelt. Dies führt dazu, dass der Hund sogar defensiv aggressiv reagieren kann, ein Teufelskreis der die Hund-Mensch-Beziehung zerstört. Typische Angst und Stresssymptome beim Hund sind angespanntes Hecheln, in Falten und nach hinten gezogene Mundwinkel, vermehrtes Speicheln, eine erhöhte Herzfrequenz, Zittern, schwitzige Pfoten, Erbrechen und Durchfall. Der Hund reagiert in akuten Angstsituationen – zum Beispiel bei Knallgeräuschen – entweder mit Flucht, defensiver Aggression, Erstarren oder er zeigt sogenannte Übersprungshandlungen wie zum Beispiel Pfoten lecken, winseln, bellen, fieben, hochspringen oder Löcher graben. Das einmalige Erschrecken führt sicher noch nicht zu einer manifesten Angststörung. Wiederholte panikartige Zustände können aber zu einer generalisierten Angststörung oder zu einem posttraumatischen Stresssyndrom führen. Eine generalisierte Angststörung kann in jedem Alter und ohne erkennbare oder minimale Auslöser auftreten. Es ist daher unabdingbar seinen Hund in allen Situationen möglichst gut zu beobachten. Eine Phobie entwickelt sich häufig bei Geräuschen wie zum Beispiel bei Feuerwerk, Schüssen, Gewitter oder auch Staubsaugergeräusche, Bagger oder Heißluftballons. Bei einem posttraumatischen Stresssyndrom hat der Hund ein traumatisches Erlebnis existenzbedrohend erlebt. Er sieht sich als hilflos und die Situation als ausweglos an. Er zieht sich zurück, versteckt sich, ist nicht mehr fähig zu spielen oder er verweigert Futter und Wasser. Letztlich wird der Hund apathisch. Je manifestierte Angstzustände sind, umso wichtiger ist eine professionelle Beratung und Begleitung des Hundehalters durch ein interdisziplinäres Team aus Tierärzten, Hundeverhaltensberatern und Hundetrainern.

copyright by Manfred Burdich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.